Das Kirchenjahr

Das Kirchenjahr beschreibt den Kreislauf der kirchlichen Feste in einem Jahr. Es beginnt immer am 1. Advent (erster Sonntag nach dem 26. November) und endet mit dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag). Es wird in drei Festkreise gegliedert:

Weihnachtsfestkreis:
Adventszeit,Christfest,Weihnachtszeit, Erscheinungsfest, Epiphaniaszeit

Osterfestkreis:
Passionszeit,Karfreitag,Osterfest,Osterzeit,Himmelfahrt, Pfingsten

Trinitatiskreis:
Trinitatis (Dreieinigkeitsfest), Trinitatiszeit, Erntedankfest, Kirchweihe, Reformationsfest, Ewigkeitssonntag (Totensonntag)

Viele Feste sind nicht an einen festen Termin gebunden, sondern richten sich nach dem Osterfest. Ostern wird jedes Jahr am Sonntag, der auf den ersten Frühlingsvollmond folgt, gefeiert. Nach diesem Termin richten sich dann die Dauer der Epiphaniaszeit, das Datum für Himmelfahrt und Pfingsten, sowie Beginn und Dauer der Trinitatiszeit.


Liturgische Farbe

Am Altar, an der Kanzel und am Lesepult sind in unserer Kirche farbige Tuchbehänge angebracht, die man Antependien nennt. Die unterschiedlichen Farben machen den Charakter eines Sonntags sichtbar. In der evangelischen Kirche sind weiß, violett, grün, rot und schwarz die liturgischen Farben, die den Festen im Jahreskreis zugeordnet sind.

Weiß:
Die weiße Farbe weist auf Jesus hin, auf die Freude an Christus und die damit verbundene Festfreude:
Christfest, Weihnachtszeit, Erscheinungsfest, Gründonnerstag, Osterfest, Osterzeit und Himmelfahrt, Trinitatis

Rot:
Mit der roten Farbe werden Heiliger Geist (Feuer), die Kirche und die Märtyrer (Blut) beschrieben:
Pfingsten, Kirchweih, Reformation, Konfirmation

Violett:
Violett steht für alle Buß- und Vorbereitungszeiten:
Adventszeit, Passionszeit, Buß- und Bettag

Schwarz:
Die schwarze Farbe wir in unserem Kulturkreis immer als Farbe der Trauer und Klage gesehen und auch in unserer Kirche nur verwendet am:
Karfreitag, Karsamstag

Grün:
Die grüne Farbe bedeutet Wachsen und Reifen:
Epiphaniaszeit, Trinitatiszeit

In den nächsten Gemeindebriefen werden wir auf die einzelnen Farben näher eingehen


Der Sonntag

Das Kirchenjahr verbindet die Grunddaten des Glaubens mit dem Ablauf des Jahres. In unserer Agenda sind für jeden Sonntag Evangelium, Epistel, Wochenlied, Wochenpsalm, Liturgische Farbe festgelegt.
Dabei fasst der Wochenspruch in einem biblischen Satz das Thema des Tages zusammen. Evangelium und Epistel entfalten es. Ihre Auswahl geht auf die frühe Christenheit zurück. Wochenlied und -psalm ergänzen es.
In der Regel werden Verse aus dem Wochenpsalm (nach der Ordnung der Predigttexte) für den Introitus (gottesdienstlichen Eingangspsalm) entnommen.
Die Liturgische Farbe macht den Charakter des Tages sichtbar (siehe Grafik oben).

Manche Sonntage haben ihren lateinischen Namen vom Beginn des jeweiligen Wochenpsalms.







Themen der Sonntage

Trinitatiszeit

Das Wort Trinitatis ist zusammengesetzt aus den lateinischen Worten "Tri" und "unitatis", was so viel bedeutet wie "Drei in Einheit". Es wird damit das theologische Dogma der Dreieinigkeit (die Personen von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist in einem Wesen) zum Ausdruck gebracht. Im Deutschen spricht man dann von der Trinität, die oftmals in Form eines Dreiecks, in dem ein Auge abgebildet ist, zur Darstellung kommt.

Das Trinitatisfest gibt es erst seit etwa 1000 Jahren, wobei es noch über eine längere Zeit Differenzen darüber gab, ob es überhaupt gefeiert werden solle.

Für die protestantische Kirche jedenfalls hat das Trinitatisfest eine größere Bedeutung gewonnen als für die römische Kirche. Es ist das Fest des Glaubensbekenntnisses, und so wurde an diesem Tag das Bekenntnis besonders geehrt durch Gesang und die Verlesung der zwei anderen Bekenntnisse, die nur noch in wenigen Gemeinden gesprochen werden, aber auch zu den Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche gehören: das sogenannte „Nicänum“ und das „Athanasianum“.

Nach dem Trinitatisfest beginnt eine Zeit, die oft als die „festlose Zeit“ bezeichnet wird. Das aber trifft nicht zu, denken wir an die verschiedenen Feste wie Johannis, Michaelis, oder das Reformationsfest, ganz abgesehen von den zahlreichen Apostel- und Evangelisten-Tagen in dieser Zeit.

Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr gewissermaßen einen ersten Abschluss. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres über die bestimmten Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wurde, ist Trinitatis das Fest, an dem es um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst geht. In der dem Fest folgenden Zeit denken wir darüber nach, wie die christliche Gemeinde den Glauben an diesen dreieinigen Gott in ihrem Leben umsetzt.

Die liturgische Farbe für die Sonntage nach Tritinitatis ist fast immer Grün. Die Farbe Grün symbolisiert Hoffnung, neues Leben, das Wachsen und die Gelegenheit, etwas neu zu lernen. Die Zeit nach Trinitatis ist wie ein geistiger Frühling. Etwas Neues entsteht, aber wir wissen noch nicht, auf welche Weise es sich verwirklichen wird.

Die grüne liturgische Farbe bittet uns, geduldig zu sein. Gott hat seine eigene Zeit. Er weiß am besten, was wir brauchen, und was wir lernen sollen. Doch dürfen wir neugierig sein.

Was lernen wir in den nächsten Monaten über Gott, das Leben und über andere Menschen? Das Leben ist voll von schönen Überraschungen, wenn wir unsere Augen offen halten!

Der Gottesdienst ist eine sehr gute Möglichkeit, an diesen Themen gemeinsam, als Gemeinde, zu lernen. Wie sollten wir als Christen und Christinnen leben? Das ist das Hauptthema in Gottesdiensten während dieser Zeit im Kirchenjahr.

Damit dürfen wir aber auch ergründen: Was bedeutet der Glaube an Gott für mich in meinem Alltag? Welche Inhalte der Bibel sind speziell wichtig für mich? Wenn ich mit meinen eigenen Worten ein Glaubensbekenntnis gestaltenwürde, wie würde es lauten? Was habe ich durch den Glauben in meinem Leben gewonnen?

Ich hoffe, dass wir alle auch die Gelegenheit haben werden, in diesem Sinne die blühende, die grüne Zeit in unser Leben hinein zu lassen und genießen zu können.

Edmund Henry Newman

1. So. nach Trinitatis

hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weitertragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstößig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor „falschen Propheten“, die den Glauben an die Existenz solcher Menschen missbrauchen und schamlos ausnutzen.

2. So. nach Trinitatis

hat „die Einladung“ zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl - der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen (Predigtexte) nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf.

3. So. nach Trinitatis

stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom „Verlorenen“ oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen.

4. So. nach Trinitatis

wendet sich der Gemeinde zu. Sie wird als Gemeinde der Sünder gesehen, die der Gnade Gottes bedarf. Ohne die Erkenntnis der eigenen Sünde ist es unmöglich, die Gnade Gottes anzunehmen, weil man sie nicht für nötig hält. Selbstgerechtigkeit entsteht, die dann in Überheblichkeit und Menschenverachtung mündet. Wichtig ist der Aspekt der Gemeinschaft; wir sind Sünder eben nicht (nur) als Individuen, sondern als Gemeinschaft, indem wir z.B. durch Schweigen teilhaben an dem Unrecht, das an anderen durch Menschen unserer Gemeinschaft geschieht.

5. So. nach Trinitatis

befasst sich wieder mit der Gemeinde, diesmal mit ihrer Antwort auf Gottes Ruf. Nachfolge scheint so einfach, so schwierig, so abwegig, weil wir nicht so recht wissen, was Nachfolge ist. Die Lesungen dieses Sonntags wollen uns den Weg leiten.

6. So. nach Trinitatis

konzentriert sich wieder auf die Taufe, dieses Mal als dem Beginn eines neuen Lebens. In diesem Zusammenhang wird auch der Gedanke eines „lebenslangen Bundes“ aufgenommen. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage“ bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in seiner Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.

7. So. nach Trinitatis

geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens.

8. So. nach Trinitatis

fragt nach der Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes in seinem Leben. Diese Antwort erfordert nicht viel; es ist eigentlich ein schlichtes „Nichtverbergen“ dessen, was man bekommen hat. Schwerpunkt der Texte ist aber auch das Licht, das von denen, die dem Volk Gottes angehören, ausgeht, oder an dem sie teilhaben.

9. So. nach Trinitatis (»Anvertraute Gaben«)

wird durch das Evangelium von den „anvertrauten Zentnern“ bestimmt. Gott hat uns etwas gegeben, das zu vermehren durch unseren eigenen Einsatz möglich ist. Wir werden daran gemessen werden, wie wir diese „Gaben“ fruchtbar einsetzen. Der Sonntag soll uns auch daran erinnern, dass was wir sind und haben, wir unserem himmlischen Vater zu verdanken haben.
(01.08.2010 – Predigttext: Phil 3, 7-14)

10. So. nach Trinitatis (»Die Kirche und das Volk Israel«)

bildet den ungefähren Mittelpunkt der Trinitatiszeit und hat daher eine besondere Stellung. Dies wird dadurch unterstrichen, dass er sich dem Verhältnis der Kirche zum Volk Israel widmet, ein Thema, das von großer Bedeutung für die christliche Kirche ist. Die Überlegungen dazu werden selbstverständlich auch den Holocaust und die neonazistischen Strömungen in der Welt beinhalten müssen. Auf der anderen Seite dürfen die Unterschiede nicht übersehen werden.
Allerdings ist es wichtig, dass wir erkennen, dass unsere Wurzeln im Volk Israel, dem Volk Gottes, verankert sind, und nicht ins Leere greifen. Die Erkenntnis des Paulus, dass das Volk Israel nicht verworfen ist (Röm 11, 25-31), muss maßgeblich sein für unser Reden über und vor allem mit diesem Volk.
(08.08.2010 – Predigttext: Röm 9, 1-8.14-16)

11. So. nach Trinitatis (»Pharisäer und Zöllner«)

widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des "Seligwerdens aus Gnade" und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden.
(15.08.2010 – Predigttext: Eph 2, 4-10)

12. So. nach Trinitatis (»Die große Verwandlung«)

wir denken nach über die Veränderungen, die mit Jesus in diese Welt gekommen sind. Es wird uns deutlich, dass eine neue Zeit angebrochen ist, die aber noch nicht ihre Erfüllung gefunden hat. Darum leben wir in einer Spannung, die uns antreibt, alles zu tun, was dem Kommen des Reiches Gottes dient.
(22.08.2010 – Predigttext: Apg 9, 1-20)

13. So. nach Trinitatis (»Die Liebe Gottes«)

redet von der Liebe zu Gott und ihren Ausdrucksformen. Die Liebe zu Gott kann so wie jede menschliche Liebe zur Eifersucht führen, die vor dem Verbrechen nicht zurückschreckt (Kain und Abel), sie kann aber auch zur barmherzigen Tat veranlassen (das Evangelium). Wer seine Liebe zu Gott zur Schau stellt und damit zum Selbstzweck verkommen lässt, braucht von Gott nichts mehr erwarten.
(29.08.2010 – Predigttext: 1. Joh 4, 7-12)

14. So. nach Trinitatis (»Kinder Gottes«)

redet von der heilenden Kraft Gottes. Das Thema dieses Sonntags ist von der Epistel her abgeleitet. Wir hören die Erzählung von der Heilung der zehn Aussätzigen. Durch Kraft Gottes werden Menschen, die Außenseiter waren, wieder zu Gliedern der Gemeinde. Die lebendige Kraft des Geistes Gottes hat auch uns zur Gemeinde hinzugetan; in ihr bringen wir unseren Dank gegen Gott zum Ausdruck dafür, dass wir seine Kinder sein dürfen, indem wir einander achten und lieben.
(05.09.2010 – Predigttext: Röm 8, 12-17)

15. So. nach Trinitatis (»Irdische Güter«)

hat "Irdische Güter" zum Thema. Es geht ums Sorgen, die Angst um die Zukunft, um das, was morgen kommt, die Sorge um das leibliche Wohl, um das Dach über dem Kopf. Mancher Predigttext legt eine gewisse Leibfeindlichkeit nahe, etwas, das einzuüben heute gewiss nicht ganz verkehrt ist. Dabei sollte man sich allerdings davor hüten, die Gaben Gottes, von denen wir leben, zu verteufeln.
(12.09.2010 – Predigttext: 1. Petr 5, 5-11)

16. So. nach Trinitatis (»Das Unvergängliche«)

ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden sichtbar.
(19.09.2010 – Predigttext: 2. Tim 1, 7-10)

17. So. nach Trinitatis (»Sieghafter Glaube«)

befasst sich mit dem Glauben, wobei der bedingungslose Glaube, der dann auch zum "Erfolg" führt, im Vordergrund steht. Es werden also Geschichten aus den Evangelien erzählt, in denen der Glaube des einzelnen zu einem Wunder geführt hat. Die alttestamentlichen Texte hingegen reden von nicht so sehr vom Glauben, als vielmehr von Gottes Wirken im Leben des Volkes Israel und in Jakobs Leben. Die Episteltexte wiederum reden über den Glauben und stellen dar, wie es zum Glauben kommt bzw. wie der Glaube eine vereinende Funktion wahrnimmt.
(26.09.2010 - Predigttext: Röm 10, 9-17)


18. So. - letzter So. nach Trinitatis

... wird fortgesetzt


Zusammengestellt von Henry Newman

unter Verwendung der Informationen von Martin Senftleben (www..daskirchenjahr.de)