Was dem Pastor auf dem Herzen liegt

Gedanken zum Monatsspruch November 2019

 

Was tun, wenn Gott sich verbirgt? Wenn es scheint, als sei die Welt dem Teufel überlassen? Was tun, wenn die Qual zum Himmel schreit? Diese Fragen stellt das Buch Hiob. Und es nennt Antworten, die uns auch heute vertraut sind: “Sage Gott ab und stirb!“ empfiehlt Hiobs Frau. Wenn das Leben unerträglich ist, wird der Tod eine Erlösung sein. “Irgendeinen Sinn wird dein Leid schon haben“, meinen Hiobs Freunde. Hiob, der Gequälte selbst, ist weniger vernünftig. Er sagt: “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Er bleibt dabei, dass Gottes Gerechtigkeit sich zeigen wird. Ist es Hiobs Glaube und Kraft, die ihn so überzeugend glauben lässt?

Oder ist es Gottes Treue, die ihn selbst im tiefsten Leid nicht allein lässt? Am Ende wird Gott Hiob Recht geben, so wie er den Gekreuzigten am Ostermorgen ins Recht setzt. Mit seinem Sterben am Kreuz und durch seine Auferstehung hat Gott selbst den Tod besiegt durch Jesus Christus, seinen Sohn. Darüber hinaus tritt Gott im Tod und Leiden Jesu Christi in unser Leiden ein und begegnet uns. Dies ist eines der tiefsten Geheimnisse des Glaubens, das weder Gedanken noch Worte begreifen können. Aber indem Gott für uns leidet und stirbt, ist Er ein mitleidender und mitfühlender Teil unseres Leidens, nicht abseits davon. So wird Gott für uns der Befreier, unser Erlöser.

Der Tod, die Angst sterben zu müssen, manchmal sogar der Wunsch sterben zu wollen, wird uns immer wieder bedrängen. Es wird immer wieder Abhängigkeiten, Erniedrigungen und viele Ängste geben, die das Leben unerträglich machen. Es gibt kein Rezept oder eine Methode, die uns garantiert wieder aus der Bedrängung zu kommen. 

Es gibt aber wohl einen Gott der immer wieder sich als Erlöser zeigt, einen Gott, der uns immer wieder einen Grund gibt, weiter zu machen und uns hilft ein befreites Leben zu führen.

Dieses Wissen ist nicht etwas, dass wir besitzen, sondern es ist ein Geschenk, das wir jeden Tag aufs Neue wieder empfangen, und manchmal auch von einem Moment zum andern. Gott hält sich zu uns, auch wenn wir uns nicht mehr an Ihn halten können; Er schafft uns Recht, wenn alles andere uns das Recht verweigert.

Er erlöst uns, wenn wir uns verlassen fühlen. Gottes Geist erinnert uns immer wieder daran, damit auch wir sagen und wiederholen können: Auch wenn ich nichts Anderes mehr weiß…aber: “Ich weiß dass mein Erlöser lebt.“ Gerade im Advent werden wir auch wieder aufs Neue daran erinnert: Gottes Licht kommt, ohne unser Zutun, uns entgegen…

Gott, lass dein Licht leuchten. Erleuchte unsere Dunkelheiten – die Dunkelheiten unseres Lebens und die Dunkelheiten dieser Welt. Erhelle die zerstörerischen Gedanken und Taten und führe uns ans Licht deines Sohnes, unseres Erlösers, Jesus Christus.
Amen.