Was dem Pastor auf dem Herzen liegt



Monatsspruch für Dezember 2017 - Lukas 1,78-79
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen
das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen,
die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Zacharias singt zwischen Tagesanbruch und voller Morgensonne

Zacharias singt, einer der lange geschwiegen hat. Zacharias singt, obwohl er schon aufgegeben hatte. Zacharias singt, obwohl er Zweifel hatte, ob er noch mit Gott rechnen soll. Zacharias singt… Er singt das Licht herbei, das allen leuchten wird, in deren Herzen es finster geworden ist. Er singt in Erwartung auf die leuchtende Nähe Gottes und in der Hoffnung, dass das Dunkel der Angst und die Nacht der Not durchbrochen wird. In seiner ganzen Existenz ist er Wartender und Hoffender; im Singen streckt er sich nach Gott hin aus, dass er ihn aus den dunklen Tiefen heraufzieht und er wieder festen Boden unter seinen Füßen spürt. Aus diesen Tiefen kann er sich nicht selbst heraufziehen und retten. Er vertraut auf Gott und darum betet er ihn im Gesang an. Wie groß die Not seines eigenen Lebens und seines Volkes auch sein mag, Zacharias hofft darauf, dass Gott ihn hört und ihn rettet; dass Gott kommen wird und die Dunkelheit erhellt.
Zacharias erlebt Wunderbares. Seine Frau Elizabeth und er sind Eltern geworden. Das, womit sie nicht mehr gerechnet haben, ist geschehen. Mit diesem Kind, mit Johannes, wird die Geschichte der Liebe und Treue Gottes weitererzählt. Zacharias ordnet darum sein eigenes Glück in die Geschichte Gottes mit seinem Volk ein. Es ist nicht nur seine eigene Geschichte, die er erzählt, sondern er erzählt auch die Geschichte von seinen Vätern und Müttern. Darum geht es auch um meine Geschichte. Und um deine. Die Geschichte Gottes wird mit jedem Menschenkind weitererzählt. Wenn mein Loblied verstummt, wenn es dunkel wird in mir, geht Gottes Geschichte mit mir trotzdem weiter.
Darum wird uns das Kind geboren, dem Johannes den Weg bereiten wird. Es kommt zu uns, damit die Heilsgeschichte Gottes auch in Deinem und meinem Leben weitererzählt wird und das Lob Gottes in unserm Leben wieder neu erklingt. Vielleicht fällt es uns in diesen Tagen schwer. Vielleicht weil es das erste Weihnachtsfest ohne einen geliebten Menschen ist. Vielleicht weil Hoffnung und Glaube in uns zerbrochen ist. Vielleicht weil wir uns einsam und allein fühlen.
Zacharias singt davon, dass Gott auch diese schweren und dunklen Wege mit uns geht. Auch dein und mein Weg ist ein Weg, den Gott mitgeht. Gerade in der Weihnachtszeit will Gott dich und mich daran erinnern und drängt neu in unserm Leben ein als das Kind, das mitten in der finsteren Nacht und inmitten der Menschen in Not geboren wird. Auch Dein und mein Leben, so klein und so schwer es uns manchmal erscheinen mag, ist ein Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen. Jeder Tag ist ein Tag, an dem Gott mit uns leben will und uns den Weg, den wir zu gehen haben, erleuchten will mit seiner liebenden Nähe.
Wie können wir einstimmen in dieses Lied, wenn unsere Welt und unser eigenes Leben so dunkel und unerlöst erscheint? Doch, Advents- und Weihnachtszeit ohne Singen ist undenkbar. Mit der Sicht des gläubigen Herzens sieht Zacharias schon im kleinen Anfang das große Ziel und besingt es. Wenn wir in dieser Zeit weihnachtliche Lieder singen, dann singen wir vom bereits Erfüllten, obwohl so vieles in unserer Gegenwart dagegenspricht.
Der Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist. Vögel tun das, weil sie wissen, der Sonnenaufgang und der neue Tag ist nahe, auch wenn es noch dunkel ist. Im Singen machen wir das den Vögeln gleich. Wir greifen voraus auf das, was verheißen ist. Und wir tun dies, weil wir glauben: An Weihnachten hat Gott diese Welt besucht. Und seitdem ist nichts mehr, wie es war. Wie ein Sonnenaufgang ging die Sonne seiner Liebe und Gerechtigkeit über diese Welt und in unserem eigenen kleinen Leben auf – wie ein Lichtstreifen, der wächst, bis er alles Dunkel vertreibt.
Gottes Besuch in dieser Welt hat Lichtspuren hinterlassen – auch in unserem Leben. Auch wenn uns nicht danach ist, lasst uns einstimmen in den Gesang des Zacharias, mit den weihnachtlichen Gesängen im Gottesdienst und zu Hause und wir werden in unseren Herzen erleben, was diese lieblichen Melodien mit uns machen. Ja, wir werden das Licht der Liebe Gottes im Dunkel unserer Nacht sehen…
Ich wünsche Euch allen eine sehr gesegnete und Geist-erfüllte Advents—und Weihnachtzeit mit neu erleuchteter Hoffnung und Freude!

Eure Pastorin
Anja