Was dem Pastor auf dem Herzen liegt



Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und die Jünger weckten Jesus auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer:
Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich, und es ward eine große Stille.Markus 4, 38+39

In der Geschichte von der Sturmstillung berührt dieser Satz besonders: “Fragst du nicht nach uns?“ Darin drückt sich der Schmerz und das Entsetzen aus, dass keiner da ist, der hört, keiner dem wir am Herzen liegen. Wir fühlen uns allein in den Stürmen unseres Lebens. Wir schreien, und da ist keine Antwort. Unser Leben ist bedroht: die Selbstverständlichkeit, dass wir uns auf unseren Körper, unser Gedächtnis und unsere Sprache verlassen können, ist plötzlich weg. Eine Freundschaft, eine Beziehung, eine Ehe zerbricht. Der Kontakt zu den Kindern reißt ab, oder die Kinder sind selbst abgereist in ein anderes Land, um ein besseres Leben für sich und ihre eigenen Kinder zu suchen und aufzubauen. Der Arbeitsplatz ist in Gefahr oder verloren. Der geliebte Mensch an unserer Seite liegt im Grab. Wer fragt danach? Wer kümmert sich darum? Wer hört?

Aber diese Geschichte vom Sturm geht weiter. Gott wandelt nicht unberührt von unserer Angst und Not in himmlischen Gefilden. Gott ist Mensch geworden. Er hört jeden Seufzer und jeden Schrei, er sieht jede Träne und jeden Tropfen Blut. Der Bibeltext stellt eine Verbindung her zwischen Jesus, dem Vorbild der Ruhe und Zuversicht, und uns, unserer Angst und Zaghaftigkeit. Wir sollen erkennen, dass es einen festen Grund gibt, von dem aus wir die Stürme in unserem Leben ertragen und sinnvoll verarbeiten können. Manchmal bedeutet das, dass wir uns den Wellen entgegenwerfen und uns in die Tiefe des stürmischen Wassers mitziehen lassen, um diesen festen Grund zu finden. Wir sollen nicht starr vor Angst an den Wellen zerbrechen. Wenn wir ständig an der Oberfläche bleiben und nicht bereit sind auch Mal in unsere Tiefen hinunter zu gehen, sind wir in der Gefahr, dass die Wellen uns auseinanderreißen. Der feste Grund unseres Lebens ist nicht an der Oberfläche zu finden, sondern in den Tiefen. Dieser feste Grund ist Jesus Christus selbst, der in die tiefsten Tiefen unseres Menschseins und unserer Schmerzen hinabgestiegen ist, um gerade dort unser fester Grund zu sein. Der Glaube sagt mir: Er ist immer bei mir, auch wenn ich davon nichts spüren und meine, die Wellen sind meiner mächtig geworden. Er ist bei mir, auch wenn meine Seele von Angst erfüllt ist, auch wenn mir das Wasser bis zum Hals steht und die Wellen über mir zusammenschlagen. Er ist sogar dann bei mir, wenn ich untergehe!

Diese Verse im Markusevangelium erinnern uns daran, dass in Zeiten, wenn Gottes Güte uns nicht so hell und klar vor Augen steht, Er immer noch da ist! Und daraus schöpfen wir die Kraft, uns von dem Glauben anrühren zu lassen: “Ich bin da. Ich lasse dich nicht umkommen.“
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns und anderen diese Geschichte immer wieder bis zum Ende erzählen. Er ist der Grund, der uns festhält, der nach uns greift, wenn wir untergehen und uns rechtzeitig immer wieder an die Luft bringt.

Gebet:
Guter Gott, manchmal schneidet es mir die Luft ab. Ich fühle mich jämmerlich. Es will mir der Schnauf ausgehen. Schenke mir dann eine Verschnaufpause, erquickenden Schlaf, einen geruhsamen Sonntag. Amen.