Was dem Pastor auf dem Herzen liegt



Haltung und Heil


Glaube heißt, einen Halt zu haben und dadurch in jenem Fundament gründen, das Gott selbst gelegt hat und das Er letztlich selber ist. Das sollte man sich nicht so vorstellen, als ob der Glaube ein bequemes Polster wäre, auf dem ich mich selbstsicher breitmachen könnte. Dann wäre der Glaube ja nur die Religion der Spießbürger, und die Dogmen wären ein Bunker, in dem die Feigen sich verkriechen und vor den Wirklichkeiten des Lebens Schutz suchten.

Der Grund, darauf ich gründe, und der Halt, von dem ich gehalten bin, sind aber – Gott sei Dank – etwas ganz anderes als der Krücken der Schwachen und als das sanfte Ruhekissen der Bequemen. Wir brauchen nur einmal die großen Glaubenden anzusehen, die und der Bilderbogen der Bibel vor Augen malt: War es etwa bequem für Noah, der Verheißung Gottes zu glauben, dass er ihn in einer Arche retten würde? Doch sicher nicht! Er machte sich eher lächerlich und zog sich den Spott der Leute auf den Hals, als er bei strahlendem Sonnenschein auf dem platten Lande ein abenteuerliches Schiff zu bauen begann.

Und war es für Abraham eine Kleinigkeit, aus seinem Vaterland und aus seiner Freundschaft in die ungewisse Fremde zu wandern, nur weil ihm die Verheißung zuteil wurde, dass die hohe und gute Hand ihn Schritt für Schritt ins Unbekannte geleiten und an Ziele bringen würde, um die sie allein wusste? War es die pure Selbstverständlichkeit, wenn der Psalmist im Glauben sagen konnte: “Dennoch bleibe ich stets an Dir“? Damit signalisiert er doch herüber: Es spricht alles dagegen, dass es eine Gerechtigkeit gibt, dass eine höhere Regie über der Welt waltet und dass es jemanden gibt, der sich für mich interessiert. Aber dennoch: Ich halte an Dir fest, ich dringe im Blindflug durch den Nebel und weiß, dass Du mich auf der andern Seite erwartest.

So ist das also: Der Friede Gottes, dem ich vertraue, ist nicht etwas, worauf ich sitze, sondern er ist etwas, wonach ich mich strecke. Der Halt, von dem ich gehalten bin, und der Grund, darauf ich gründe, ersparen mir nicht die Abgründe, aus denen ich rufe. Und die Gewissheit, dass weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges mich scheiden können von der Liebe Gottes (Römer 8, 38f), erspart es mir nicht, dass Angst nahe sein kann, dass Sinnlosigkeit mich umringt und dass der morgige Tag wie der Berg ist, der über mich rollen will.

Darum gehört das “Dennoch“ genauso zum Glauben wie der Kelch des Leidens in Gethsemane und wie Golgatha zum Wunder des dritten Tages. Manchmal ballt es sich knüppeldick vor mir, und ich weiß nicht, wie ich hindurchkommen soll. Aber dann wird mir die Gnade des Dennoch geschenkt, weil plötzlich der neben mir ist, der ein Mensch war die du und ich und der den Druck der gleichen Misere auf sich nahm. Dann ist mit ihm zusammen auf einmal die Schallmauer durchbrochen, und ich bin wieder im Weiten und erlebe das Wunder des Hindurch.